unser "geheimnis"
Freitag, den 22. April 2011 um 14:10 Uhr

wir nutzen gerade die feiertage, um im hintergrund eine menge liegengebliebenes abzuarbeiten und vieles aufzuräumen. dabei fiel uns auch ein altes (2009) interview für eine diplomarbeit mit dem titel "vielfalt x dialogische diskussionskultur = höhere qualität von lösungen" in die hände. darin steht das premium-geheimnis :-) hier mal ungefiltert aus der telefoninterview-mitschrift:


Studierender: Was ist deiner Meinung nach wichtig in der Kommunikation, damit sie bestmöglich funktioniert und im Sinne der Lösung stattfindet? Beschreibe bitte, wie sie bei euch stattfindet.


Premium: Das ist eine sehr gute Frage, darüber habe ich auch schon in einigen Vorträgen ein paar Sachen dazu gesagt. Ich glaube, dass dahinter eine grundsätzliche Einstellung stehen muss, damit sie in der Art und Weise auch funktioniert.
Normalerweise geht man in einem Wettbewerb davon aus, dass man immer mit Blick auf seinen eigenen Vorteil hinaus verhandelt, bei Konditionen oder Lieferkonditionen oder Ähnlichem. Bei „Premium“ ist eigentlich ein anderer Ansatz dahinter. Ich glaube nicht, dass der gesamte Wettbewerb des Kapitalismus böse ist, da gibt es auch einige Beteiligte, die langfristig denken und stabile Partnerschaften aufbauen wollen usw. Aber ich glaube, dass im Wettbewerb tendenziell eine Art gegeneinander Wirtschaften stattfindet.


Bei „Premium“ ist da eher die Grundhaltung, dass eine Lösung so beschaffen sein muss, dass alle Beteiligten am Ende auch zufrieden sind, sonst würden sie dem auch nicht zustimmen. D.h. da ist eine Art generalistischer Ansatz dahinter, dass man bei der Arbeit an seinen Lösungen nicht nur auf seinen eigenen Vorteil schaut, wie ich für mich das Beste heraushole, sondern auch, wie kann ich bzw. wir und alle Beteiligten soweit eingebunden werden, dass sie am Ende zufrieden sind. Das ist eine ganz andere Verhandlungs- und Diskussionskultur, dass man nicht nur auf seinen eigenen Vorteil schaut, sondern das Ganze im Blick hat.


Das führt dann auch automatisch dazu, dass die Umgangsform sehr sachlich ist, also ganz wenige persönliche Geschichten mit reinspielen, da die Lösung im Vordergrund steht und weniger die eigene Sichtweise. Das bedeutet aber dann auch, dass man sich darüber klar sein muss, dass wir Beteiligten in irgendeiner Art und Weise bestimmte Kompetenzen haben, die man dann auch anerkennen muss. Also wenn der Spediteur zum Beispiel sich zur Frage äußert, wie denn ein Logistikpreis aussehen muss, dann hat dessen Stimme ein bisschen mehr Gewicht, weil er in der Materie eine Ahnung hat. Und wenn sich jemand anderes dazu äußert und einen klugen Gedanken hat, kann es aber trotzdem sein, dass er auch ein großes Gewicht kriegt, zum Beispiel, weil es ein kluger gedanklicher Schachzug ist.


Das ist ein sehr diffuses Feld, wo man auch nicht mit zahlenmäßigen Abstimmungen rangehen kann, die man in einem basisdemokratischen Ansatz hat, sondern es geht darum, wer die beste Lösung für die jeweilige Problemstellung hat. Das kann auch jemand sein, der eigentlich von dem Bereich keine Ahnung hat. Es hat sich aber auch oft gezeigt, dass das auch gut ist, die Sicht von außen, also wenn jemand, der nicht Spediteur ist, sich solche Sachen anschaut, weil der im Zweifelsfall einen unverstellteren Blick dafür hat. Also generell würde ich sagen, dass die Lösungsfindung von komplexen Problemstellungen bei „Premium“ deswegen auch gut funktioniert, weil sie eben zum Teil von fachlichen Kompetenzen geleitet wird und zum Teil auch Leute vom Kollektiv darauf schauen, die einen anderen Hintergrund haben und deshalb so was gar nicht auf dem Radar haben. Normalerweise ist es ja so, dass es Mengenrabatte gibt; das ist üblich, jeder weiß das und hält das auch für normal. Aber man muss das nicht als normal ansehen und akzeptieren und auf diese Idee kommt halt eher jemand, der kein Spediteur ist ...


(die arbeit als ganzes ist auf datenschutz-wunsch des autors nicht mehr auf der homepage, wir dürfen aber einen kontakt herstellen falls sich jemand für die gesamte version interessiert. ggf. einfach anfragen)


(ach, da ist ja auch noch kleines ein video)

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 27. April 2011 um 14:46 Uhr