Премиум Кола
Samstag, den 29. September 2007 um 00:00 Uhr

im allerersten eintrag dieses blogs hatten wir versprochen, in zukunft jeden produktionsfehler hier öffentlich zu machen. für diesen schritt haben uns einige leute belächelt oder für bekloppt erklärt, andere haben verstanden warum: fehler passieren überall, es gibt nur niemand zu - so wissen kunden nie bescheid. eigentlich sollten doch gerade hersteller von lebensmitteln bei sowas offen sein? finden wir jedenfalls, auch wenns jedesmal peinlich ist und einige überwindung kostet.

in münchen sind einige kisten aufgetaucht, bei denen die flaschen von außen schimmelflecken hatten. wie sowas entsteht ist nicht immer ganz einfach nachzuvollziehen, wenn zwei händler und speditionen beteiligt waren und auf der palette noch andere kisten mitfahren. wahrscheinlich ist folgende ursachenkombination: abfüll-reste außen an der flasche die von den ersten beiden mündungsduschen nicht erwischt wurden, eine zum wassersparen ausgeschaltete zweite flaschendusche, gewaschene = nasse kisten, eine seit neuestem fest verschnürte schmutz-schutzfolie über der palette, sommerliche temperaturen, etwas lagerzeit - fertig ist der treibhauseffekt unter der folie ...

wir haben wie folgt reagiert: die zweite flaschendusche ist nun immer angeschaltet; verbraucht zwar mehr wasser, aber geht wohl nicht anders. und die schutzfolien werden vom hersteller extra für uns mit luftlöchern versehen, damit feuchtigkeit entweichen kann. so sollte es gehen.

aus berlin und dem osten kam die meldung, dass in einzelnen kisten flaschen fehlten. die ursache war auch hier nicht ganz leicht rauszufinden - an der einpackmaschine sammeln sich die flaschen auf vier zielgeraden und werden zu jeweils 48 stück rausgehoben. beim nachrücken fallen dann manchmal die ersten flaschen um und blockieren drei stehplätze - schon fehlen die drei in der kiste. wir haben eine lichtschranke nachgerüstet, die liegende flaschen erkennt. mal gucken ob das wirkt, wir bleiben am ball ...

update: lustigerweise enthielt der titel dieses eintrages einen fehler, das passt ja. Zola? wohl kaum. Кола mit K? Премиум Кола scheint richtig zu sein ...

 

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 21. Dezember 2009 um 15:51 Uhr
 
UMWELT
Dienstag, den 11. September 2007 um 00:00 Uhr

wenn man es ernst damit meint ein rundum gutes getränk zu machen, wirds schnell ziemlich kompliziert. erst recht im kollektiv bei umweltfragen. das einzig schwarzweiße an premium ist die optik, könnte man sagen - hier mal ein kurzer abriss der letzten fünf wochen ...

etiketten zum beispiel: wäre offsetdruck umweltfreundlicher als laser trotz der verwendeten hilfsstoffe, gibt es überhaupt umweltfreundlichen druck? print-pool scheint ganz cool zu sein, aber unsere auflage ist für offset zu klein und kompliziert, und treue zum bisherigen lieferanten ist auch viel wert. der hat zb separate druckräume wegen feinstaub aus toner, und steigt jetzt für uns auf FSC-papier um. das ist anscheinend sinniger als der blaue engel, weil man sonst nur sechsmal recyclen kann, und unsere etiketten werden recycelt. wieder was gelernt, und einen a4-papierstapel von rund zwei metern höhe pro jahr besser gemacht - wenn die etikettiermaschine mit dem papier klarkommt. ökologischere druckfarben waren auch noch ein thema, aber bei nur 6 kilo farbe pro jahr steigt der copyshop nicht für uns um.

(normale getränke nutzen übrigens meist laugenfestes papier, das sich in der flaschenwaschmaschine nicht auflösen und das sieb verstopfen soll. laugenfeste papiere werden allerdings sowas von chemiebehandelt, dass wir lieber ein paarmal pro abfüllung das sieb ausleeren ...)

zucker aus bio-zuckerrüben: gibts, wäre doppelt so teuer, würden wir aber wohl trotzdem machen bei 6 tonnen pro jahr, da macht das schon sinn. geht aber nur, wenn beim abfüller ein extratank eingebaut wird, und dafür fehlt ganz einfach der platz. oder geht das doch irgendwie? wenn es geht, müssen wir dann sauber trennen und vor und nach den premium-abfüllungen die leitungen spülen, was jeweils 1000 liter wasser verbrauchen würde? wäre der umstieg dann noch bio? wir bleiben am ball.

kolanuss von transfair zertifiziert: gibts nicht, teilt transfair mit. fliegt also einer von uns nach brasilien, und wer soll das bezahlen?

oder die deckel: deren dichtung ist aus PolyEthylen , das ist schonmal besser als PVC. weiß lackiert sind sie jetzt, könnte man die farbe nicht einsparen? den klarlack nicht, den weißen schon, würde pro jahr drei liter farbe bedeuten. das klingt nicht nach dem ökologischen durchbruch, fast alle votieren für weiß - ausgerechnet der geschmackswart ist aber für metall. urks ...

weiter mit den folien, mit denen unsere paletten unterwegs vor staub und dreck geschützt werden: PolyEthylen ist die beste der schlechten lösungen weils sauber verbrennt und auch verrottet, aber anscheinend kann uns niemand sagen wie lange das dauert. die hälfte des plastikmülls hierzulande scheint verbrannt zu werden, die andere hälfte nicht. kompostierbare folie gibt es, aber nur in rollen, sodass man die paletten per hand einwickeln müsste, was keiner will. also versuchen wir eben, die folien mehrfach zu verwenden.

damit unsere händler daran denken, wären aufkleber auf den folien gut. die sollten zwar halbwegs wetterfest sein, aber bitte aus papier statt PVC, weil das auch wieder ziemlich mies klingt. und wer bitte macht uns 100 oder 200 stück, den meisten ist die auflage zu klein selbst wenn wir die mindestmenge gerne bezahlen, oder ein aufkleber soll 2,50 euro kosten. ein laden meint sie würdens machen, aber 500 drucken und 400 wegwerfen. hä? stickerlove hat den sinn verstanden und machts.

... mit all sowas schlägt man sich rum, nur um ein getränk zu machen. anstrengend, aber nötig wenn mans ernst meint.

das waren übrigens nur die umsetzbaren vorschläge - an anderen hats aber auch nicht gemangelt :-) und auch davon muss man manchen nachgehen, um sich eine meinung zu bilden ... eine bio-cola entwickeln, eigene abfüllautomaten bei händlern aufstellen, flaschen mit dreh- oder bügelverschluß (ersterer wird auch weggeworfen, letztere sind deutlich teurer als ihr pfandwert, sodass man mehr pfandschlupf einkalkulieren muss), irgendein eigenes umweltprojekt auf die beine stellen, ein hoffentlich nicht kontaminiertes grundstück im osten kaufen (was aber nicht so einfach ist) und renaturieren, dafür eine eigene rechtsform wie zb eine gGmbh oder limited gründen und dabei die durchgriffshaftung verhindern, EU-fördergelder beantragen, irgendwie in produktionsanlagen unserer partner oder in einen klimawandel-fonds investieren obwohl man damit shareholder-wirtschaft unterstützen würde, irgendwas mit solar machen, einen kindergarten sponsorn, ein soziales projekt bei der einführung von biodiesel unterstützen (ist der überhaupt gut?), eine spedition gründen ...

 

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 21. Dezember 2009 um 15:40 Uhr
 
PRESSEFREIHEIT
Samstag, den 21. Juli 2007 um 00:00 Uhr

"Sehr geehrte Damen und Herren, bitte nehmen Sie uns in Ihren Presseverteiler auf." - so oder ähnlich fragen immer mal wieder medien an, damit wir ihnen fertig formulierte pressemitteilungen schicken, die sie dann (evtl. minimal redigiert) abdrucken können. und wenn sie das tun, "könnte man doch dazu eine anzeige schalten und mitschicken"?

:-) sowas machen wir bewusst nicht, auch wenn dadurch mehr über uns gedruckt würde. ich hab zwar werbekaufmann gelernt und wüsste wie man die medien füttert - sehe es aber nicht ein, ihnen für premium vorgekaute inhalte zu liefern. nicht weil wir den leuten keinen einfachen job gönnen, sondern weil sowas fast immer ihrem eigentlichen auftrag widerspricht, dinge kritisch zu hinterfragen ...

andersrum: wer über premium berichten möchte, bekommt einen haufen material, kann in unserer mailingliste und im board mitlesen, alle kontaktdaten zum recherchieren und überprüfen bekommen, sich in die buchhaltung einloggen und direkt aufs konto gucken. selbst recherchieren ist anstrengend, schon klar - aber wer sich journalist nennen und auf artikel 5 des grundgesetzes berufen will um seine meinung zu verbreiten, sollte sich schon eine eigene bilden.

 

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 21. Dezember 2009 um 15:51 Uhr
 
TYPISCH
Samstag, den 12. Mai 2007 um 00:00 Uhr

vor gut drei monaten fragte budni.de per mail an, ob sie premium in ihren 108 filialen aufnehmen könnten. wow, 108 filialen, aber gerne doch! haben wir natürlich nicht gesagt, sondern erstmal das kollektiv gefragt. die meisten waren der meinung, dass es wahrscheinlich schlimmere und evtl. bessere gibt, aber premium so oder so nicht in drogeriemärkte passt.

reden wollten wir trotzdem irgendwann mit denen, einmal um ganz sicherzugehen, aber auch aus höflichkeit wegen der netten anfrage ("... auf der Suche nach einer ethisch vertretbareren Lösung ..."). das haben wir dann nicht nur völlig vergessen, sondern dummerweise auch noch die mail von der dame verbummelt. sehr typisch premium irgendwie, einen potenziellen großkunden einfach zu verpeilen, wir habens halt nicht eilig. zugleich ists peinlich, denn auch nonkommerzielle projekte sollten professionell betrieben werden. daran müssen wir wohl noch arbeiten.

also, liebe budnis: danke für die anfrage, wir habens verplant, deswegen kam keine antwort. sorry dafür, aber es wäre wohl trotzdem nichts geworden mit uns. ihr habt dann verständlicherweise die nächste cola-marke gefragt, die hat anscheinend zugegriffen, ist schon okay. weitermachen ...
::: die mail ist dann bei einem anderen kollektivisten doch noch wieder aufgetaucht - nun konnten wir uns immerhin direkt entschuldigen, und wurden prompt nochmal eingeladen zum gespräch. weiteres folgt ...

 

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 21. Dezember 2009 um 15:51 Uhr
 
LÄNGER LEBEN
Freitag, den 04. Mai 2007 um 00:00 Uhr

(aus heft 5/07 und mit freundlicher genehmigung der psychologie heute)

Epikurs Einschätzung der menschlichen Glücksmöglichkeiten wurden in den letzten jahren durch empirische Untersuchungen untermauert. So stellte sich in internationalen Vergleichen heraus, dass nicht der absolute Wohlstand, sondern die Gleichmäßigkeit der Güterverteilung mit dem subjektiven Wohlempfinden und der (damit verbundenen) Lebenserwartung korreliert. In Kerala beispielsweise, einem äußerst armen Bundesstaat im Süden Indiens, werden die Menschen heute im Durchschnitt 74 Jahre alt; in Brasilien, das sechsmal wohlhabender ist, sterben die Menschen hingegen im Durchschnitt mit 66 Jahren.

Der Grund: Während in Brasilien die Kluft zwischen Arm und Reich sehr weit ist, sind die Einkommensunterschiede in Kerala marginal. Dieses Ergebnis bestätigt einen allgemein zu beobachtenden Trend. Bei allen Vergleichen stellte sich heraus, dass die Nationen mit den zufriedensten Menschen (Skandinavien und Niederlande) zugleich auch diejenigen waren, die die ausgeglichenste Einkommensverteilung aufwiesen. (Deutschland befindet sich in beiden Skalen ungefähr im Mittelfeld der Industriestaaten.)

Selbst innerhalb von Staaten oder Staatsgebilden wie den USA ist der Zusammenhang von Wohlbefinden, Lebenserwartung und sozialer Gerechtigkeit signifikant. Der frühe Tod der Bürger in Staaten mit mehr Ungleichheit ist wahrscheinlich auf den hohen Stress zurückzuführen, den Menschen in Gesellschaften mit starken Gegensätzen und mit geringer persönlicher Freiheit erleben müssen.

Dafür sprechen insbesondere auch die verheerenden Daten, die aus den Umbruchstaaten Russland, Litauen oder Ungarn gemeldet werden – alles Staaten mit hoher sozialer Ungleichheit, unzufriedenen Bürgern und geringer Lebenserwartung. In Russland und Litauen ist Sterblichkeit seit 1989 um ein Drittel gestiegen, die Lebenserwartung von Männern beträgt mittlerweile weniger als 60 Jahre. In Ungarn kletterte die Sterblichkeit von 1970 bis 1990 um ein Fünftel. Im gleichen Zeitraum verdreifachte sich das Nationaleinkommen, wovon allerdings nur eine kleine Minderheit profitiert. Die Mehrheit der Ungarn besitzt heute trotz des Wirtschaftswachstums in etwa so viel wie 1970.

Wenn es noch einen Beweis für Epikurs Weisheit bedurft hätte, dass nur ein „vernünftiges, anständiges und gerechtes Leben“ freudvoll (und langwährend) sein kann, er wäre mittlerweile durch Forschungsergebnisse hinreichend erbracht. Wir sollten Epikurs diesbezügliche Warnungen also ernst nehmen: Gerechtigkeit und individuelles Wohlempfinden (Glückseligkeit) schließen sich nicht aus. Sie bilden vielmehr eine notwendige Einheit: "Kein Glück ohne Gerechtigkeit" ...

 

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 21. Dezember 2009 um 15:52 Uhr
 
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