SPEERSPITZE
Donnerstag, den 04. Juni 2009 um 23:07 Uhr

unser steuerberater schrieb am ende einer langen mail: "was soll die Speerspitze in den Unterlagen????" wie bitte, eine speerspitze? beim nächsten termin entstand dieses foto (geldstück zum größenvergleich):



eine erklärung hatten wir aber nicht, denn solche oder ähnliche teile waren garantiert nicht am ort des unterlagen-zusammenstellens ... evtl bei der post aus versehen von einem karton in den anderen gerutscht? aber gleich zwei teile? komisch.

wochen später bittet ein wg-kollege den anderen, die handy-fotos per bluetooth zu empfangen und per mail zu senden, um in einem blogeintrag zu fragen ob jemand eine idee hat - dabei stellte sich heraus, dass der karton die ursache ist: der wurde vorher wg-intern getauscht und enthielt goldgewichte aus benin, die nun in einem anderen karton lagern und wieder vollständig sind:



ohne worte ...

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 21. Dezember 2009 um 15:39 Uhr
 
BIO
Donnerstag, den 21. Mai 2009 um 07:13 Uhr

„Wir melden uns dann drei Wochen vor der Kontrolle an.“

 

So erläuterte der Ansprechpartner einer Bio-Zertifizierungsstelle, was auf uns als frischgebackene Auftraggeber bzw. Inverkehrbringer eines Bio-Produkts zukäme, wenn das Bio-Siegel nach EG-Öko-Verordnung auf dieser Webseite erscheinen soll. Und 500 Euro Jahresgebühr wären natürlich auch zu entrichten – für eine Kontrolle, die mit drei Wochen Vorlauf geschieht? Vielen Dank, darauf können wir verzichten. Oder freiwillig ohne Voranmeldung kontrollieren lassen? „Da sind Sie aber der Erste der das will.“

 

Ganz schön bedenklich – und zwar auch deshalb, weil für den Inhalt des Produkts bereits vom Brauer Gebühren abgeführt werden, die wir natürlich mittragen und somit doppelt zur Kasse gebeten würden. Da wird man doch das Gefühl nicht los, hier soll ein Siegel verkauft werden anstatt einer kompetenten externen Kontroll-Leistung.

 

Bioland war da schon entspannter, wollte keine Doppelzahlung und sich auch nicht für Kontrollen voranmelden. Dennoch werden wir freiwillig etwas zahlen, weil es ja theoretisch die Möglichkeit gibt, heimlich einen zweiten konventionellen Brauer einzusetzen. Eine zusätzliche Kontrolle macht also Sinn, aber eine Kontrolle der Kontrolleure auch – denn die leben schließlich von den Beiträgen der Unternehmen, die sie neutral kontrollieren sollen. Warum werden eigentlich so selten Fälle öffentlich, in denen Firmen bei schweren Verstößen erwischt und Siegel entzogen werden?

 

Aus psychologischer Sicht sind Siegel jedenfalls hilfreich, um Kaufentscheidungen zu erleichtern und Orientierung zu bieten im Dschungel der Produkte und deren Komponenten. Leider werden auch Siegel in der Regel als umso vertrauenswürdiger bewertet, je öfter man sie zu Gesicht bekommt – fatal für kleine, hilfreich für große Anbieter. Aktuell gibt es über 1000 Siegel, wer soll da noch die Übersicht behalten welches glaubwürdig ist?

 

Wir. Damit meinen wir alle Beteiligten, vom Kunden über Zertifizierer und Auftraggeber bis hin zum Hersteller. Besonders letztere sollten sich nicht damit zufrieden geben ein Siegel gekauft zu haben, sondern „Bio“ als gesamtheitlichen Ansatz begreifen, der weit über den Inhalt hinaus geht. Siegel reichen nicht. Durch Weglassen der Schmuckfarben des Kronkorkens (der Klarlack muss bleiben gegen Rost) ließen sich bei 200 Tsd. Flaschen Jahresmenge ca. 3 Liter Farbe sparen – wer 200 Mio. Flaschen pro Jahr macht, könnte also ca. 3000 Liter Farbe sparen. Es wäre auch schön, wenn offener kommuniziert würde dass EU-Bio nur 95 % der Zutaten erfasst, damit Kunden fundierter entscheiden können. Und und und …

 

Würden Sie folgende Wunschlisten ergänzen, und sich vornehmen einen Teil von Ihrer Liste anzugehen?

 

Wir wünschen uns von Getränkeherstellern, dass sie

 

  • - Bio als ganzheitlichen Ansatz begreifen und regelmäßig weitere Aspekte erfassen wie z.B.

  • - die Beschaffungs- und Verteilungslogistik mit in die Ökobilanz von Produkten einrechnen

  • - ehrlich kommunizieren, was ein Bio-Siegel abdeckt und was nicht

  • - auch nicht erfasste Komponenten laufend optimieren (weniger oder kleinere Etiketten, Etikettenpapier aus nachhaltiger Forstwirtschaft, umweltschonender Druck, Deckel mit Innenleben aus Polyethylen, weniger Leim aus Casein, Flaschen in gemeinsamen Leergutpools, dunkle Kisten wegen ihres höheren Recycling-Anteils, weniger Werbematerialien, …)

  • - freiwillig Stoffstrom-Analysen erstellen und nach Optimierungsmöglichkeiten suchen

  • - ggf. auf Absatz verzichten, wenn dafür unmoralisch lange Transportwege für Beschaffung oder Verkauf zurückgelegt würden (und damit gerne werben oder Teilprodukte anpassen)

  • - Preise in Abstimmung mit Händlern so definieren, dass diese keinen besondern Anreiz ergeben Bio-Produkte gegen andere Bio-Produkte auszutauschen, sondern nur Bio-Produkte gegen konventionelle

  • - …

 

Wir wünschen uns von Getränkehändlern und ggf. Gastronomen, dass sie

 

  • - die potenziell höhere Spanne bei Bio-Produkten nicht ausschöpfen, sondern gleiche Aufschläge wie bei konventionellen Produkten berechnen; um die Marktchancen von Bio-Produkten nicht einzuschränken

  • - mit Kollegen und Mitbewerbern kooperieren, um z.B. die Logistik möglichst zusammenzulegen

  • - es nicht akzeptieren wenn Paletten mit Bio-Produkten „im Kreis fahren“ nur weil es mal günstiger ist

  • - …

 

Wir wünschen uns von Kunden, dass sie

 

  • - ein Grundwissen über die wichtigsten Siegel / Zertifikate erwerben, um kompetent kaufen zu können

  • - sich zumindest bei regelmäßig konsumierten Produkten über Hersteller und Händler informieren

  • - gezielt von Herstellern sowie Händlern beziehen, die Bio als ganzheitlichen Ansatz vorantreiben

  • - ...

 

 

(Dieser Text wurde auf Anfrage der Zeitschrift Mixology geschrieben und sollte eigentlich darin erscheinen)

 

 

 

 

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 21. Dezember 2009 um 15:37 Uhr
 
MARKTWERT
Donnerstag, den 07. Mai 2009 um 10:44 Uhr

Vorletzte Woche kam aus dem Ruhrgebiet die Info, dass angeblich ein Händler von Fritz-Kola gezielt Kunden von Hermann-Kola angeht und ihnen anbietet, vorhandene Hermann-Kisten gegen Fritz zu tauschen. Komisch, aber sicher ein Einzelfall? Nun kam aus Frankfurt folgende Meldung:


"unglaublich:

fritz-aussendienstler war im pro vinyl

und hat pro kasten premium leergut 3 volle

kästen fritz geboten."


Wir haben mit dem Kunden telefoniert, der ist schon ewig Premium-Kollege und bestätigt die Story. Sowas denken sich völlig unabhängige Leute in verschiedenen Regionen ja auch nicht zufällig identisch und gleichzeitig aus, anscheinend steckt also System dahinter. Ganz schön eklige Praktiken. Nur komisch, dass die Fritzer bei einigen Leuten immer noch als "links" gelten ...


Natürlich haben wir überlegt, die Vorlage aufzunehmen und das gleiche Angebot zu machen: wer uns drei volle Kisten Fritz bringt, kann gerne eine leere Kiste Premium haben, denn das ist ja anscheinend der offizielle Kurs?! :-). Leider geht das so nicht, denn damit würden wir gegen § 4 Nr. 7 UWG verstoßen und Produkte des Mitbewerbers herabwürdigen.


Macht aber auch nichts. Wir glauben nämlich daran, dass Unternehmen sich durch solche Praktiken schon selbst weit genug herabwürdigen - und dass das langfristig von Kunden auch gesehen wird. Außerdem macht miteinander-arbeiten viel mehr Spaß als gegeneinander. Weiter reagieren werden wir also vorerst nicht, auch wenn man uns gelegentlich "alternaiv" (ohne t) nennt.

 

Nachtrag: Cola Rebell berichtet die gleiche Geschichte auch aus Hanau.

 

 

 

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 21. Dezember 2009 um 15:39 Uhr
 
MEHRWEG
Dienstag, den 05. Mai 2009 um 15:05 Uhr

ein unternehmer meldet sich und möchte 120 flaschen kaufen, um sie paketen an seine kunden beizupacken. schönes ding, gerne - wenn er bitte die kisten vor ort lassen möchte weil deren kaufpreis den pfandwert übersteigt, und wenn der händler ihm bitte die sogenannten longneck-flaschen gibt weil die im gegensatz zu den alten amg-flaschen überall wieder in den leergut-kreislauf zurück können ...

 

ersteres klappt, letzteres nicht. was macht der coole unternehmer? fährt auf nachfrage extra nochmal zurück und tauscht die flaschen um. natürlich schreiben wir eine entsprechende gutschrift, aber wie geil ist das denn mal wieder ... 

 

 

 

 

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 25. Dezember 2009 um 14:36 Uhr
 
KLEINLOGISTIK
Mittwoch, den 29. April 2009 um 14:54 Uhr

Wie kommen 40 Kisten Premium Halbliter nach Berlin? Kleinlogistik nach Premium-Art.

 

Wenn man mit Uwe Lübbermann zusammenwohnt, kommt man nicht darum herum, fair behandelt zu werden. Dann kann es passieren, dass man auf die Frage "Ich fahre nach Berlin! kann ich irgendetwas mitnehmen?" die Antwort bekommt, dass da eigentlich 40 Kisten 0,5 l Premium-Cola nach Berlin zu bringen wären. Die stünden aber in Hamburg und Hamburg sei nicht Lüneburg und der Umweg nicht zu rechtfertigen. Dann braucht es schon einige Überzeugungskraft, um die Kisten dann doch transportieren zu können. In meinem Fall die Möglichkeit, einen Termin am Abend wahrzunehmen, der gleich 150 Meter von der Hamburger Abholstelle entfernt liegt. Der Vorteil liegt auf der Hand: Ich bin gleich morgens vor Ort, muß nicht wegen Genusses anderer Getränke meinen Wagen stehen lassen, sondern campe ganz einfach in meinem Bus.

Gesagt, getan. Wundervoller Abend mit Buskollegen und der guten "Zube, die sich die Mühe gemacht hat, andere Biersorten aus der Umgebung von Urban anzuschleppen, um Variationen zu haben. Alle lecker, aber für Hefe, Dunkel etc. nach Premium-Art braucht es noch etws mehr, als nur das Produkt. 

Also, Treffen beenden, Auto entern und erstmal gemütlich ein Thai Green Curry und einen Weißwein in der Bordküche klarmachen. Danach noch schnell die eMails checken (Wer hat da bloss sein WLAN ungesichert gelassen?  ;-) )  und ab in die Transporter-Heia.

Gegen 1:00 nachts wundere ich mich, was da draußen auf dem Hof noch so los ist und steige aus. Etliche LKW kommen und gehen noch um diese Zeit und ich denke reflexartig an die Lenkzeiten der Brausekutscher. Egal, Nachtmahl und Weißwein tun ihr übriges für eine gewisse Bettschwere und da der Wecker auf 7:00 steht, wird es Zeit, von 400 Litern koffeinhaltigem Getränk zuträumen. 

7:00 h, das Telefon schreit mich mit einem Motorsägen-Weckton an. Hervorragend ausgeruht, mache ich mich an die Zubereitung eines Kaffees und freue mich über die ungläubigen Blicke der vorbeieilenden Bürokräfte reiferen Alters.

7:30 Pünktlich in der "Expedition". Mein Lieblingsmitarbeiter ist vor Ort und telefoniert hinter "Sinalco Apfelschorle" her. Hmmm, muß ich ja nicht trinken. Als er mich dann bemerkt, und die Frage nach dem Grund meines Erscheinens hinreichend beantwortet ist, geht das übliche Lieferscheingesuche los. Den bekomme ich dann tatsächlich ausgehändigt (Hr Klinkert, Premium Haustrunk steht drauf), setzte meine 3 Kreuze darunter und bitte um Bereitstellung der Palette an der Seitenwand des Gebäudes, da ich den Kistenblock einzeln in den Bulli wuppen muss. 

8:00 Der Gabelstapler rollt an mit einem großen Block schwarzer, vertrauter Kisten und setzt sie an noch geeigneterer Stellle ab. Dort überfährt mich wenigstens kein Sattelschlepper. 



Einladen und ab vom Hof.





Leider ist im Block eine Flasche kaputt und leer. Das hat dazu geführt, dass die umgebenden Flaschen leichten "Spak" an den Etiketten und auf den Flaschen aufweisen (ist nicht wild, sagt der Empfänger am Telefon. Darauf sei man eingestellt)

 


Die A24 nach Berlin ist zum Glück leer. Keine weiteren Vorkommnisse. Zwischendurch hänge ich noch locker einen Coca-Cola-Truck mit meinem Premium-Express ab (was der wohl so an Diesel verbrennt?).

 




Erst ab Zielnäherung "Charlotttenburg" wird es spannend. Es wird überall gebaut und wenn man sich nicht auskennt, sind die Abfahrten schnell verpasst. Diesmal nicht, denn mein Telefon navigiert auch. Elegant ignoriere ich die Umweltzone, da der Empfänger nur 2 km innerhalb der UZ liegt. Dort angekomen haut mich der erste Eindruck um. Ich habe schon viele Biere gesehen in diesem Leben, aber dieser Laden besteht nur aus Bierflaschen! Aus allen Ecken der Republik und dem Rest der Welt. Es sollen so um die 600 Sorten sein.

 


Aber der Laden ist klein und so bittet man mich freundlich, die Kisten am Lager abzuliefern. Kein Problem. Das geht immer. Ab zum Lager, wo der Lagerleiter (ist er das ?) seine Kisten hin und her schiebt. Kurze Abstimmung mit Uwe und dem Laden dann liegt auch schon die nackte Palette neben meinem Wagen. Ich staple die 40 Kisten darauf, mit einer Kondition, wie ein Schlammspringer in der Mittagssonne. Hier in Berlin sind nämlich breits 20°C und meine Erkältung macht sich bemerkbar. 

 





Mit der kopfschütttelnd und "Handschlag" raunend beantworteten Frage, ob ich eine Unterschrift brauche, verlasse ich mit kurzem Hupen den Hof. Man winkt mir tatsächlich nach. Ob das bei jedem Lieferanten so ist? 

40 Kisten heil an's Ziel gebracht. Wieder etwas gelernt, Leute gesehen und CO2 gespart. So muß das.

 

 

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 21. Dezember 2009 um 15:37 Uhr
 
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