FROST
Donnerstag, den 18. März 2010 um 12:52 Uhr

womit man sich im "maschinenraum" so rumschlagen muss ...

im januar 2009 orderte ein händler vier paletten über seinen stamm-spediteur. der hatte gerade keine zeit und hat die tour an einen unterspediteur vergeben, sowas ist übliche praxis. zu der zeit war es natürlich kalt, und besonders für das wochenende (abholung freitag, zustellung montag) war frost angesagt. die beiden spediteure haben also extra telefoniert und besprochen, dass die vier paletten entweder ins lager gestellt werden oder der ganze lkw übers wochenende in der halle geparkt werden muss. soweit so gut.

bei der anlieferung am montag durch den unterspediteur waren die paletten allerdings erkennbar beschädigt; einige flaschen waren sichtbar teilgefroren oder verfärbt, ein paar waren geplatzt, es tropfte unten raus und so weiter. der händler hat also die annahme verweigert. soweit so gut.

und nun? die beschädigte lieferung wurde zuerst einmal von uns komplett gesperrt, weil man bei frostschäden mit bloßem augenschein einfach nie sicher sagen kann, ob zb deckel undicht geworden sind und fremdkörper / schimmelsporen / sonstwas ins produkt lassen. wir müssen aber SICHERSTELLEN dass der inhalt passt, so haben wirs auch in der antwort großgeschrieben. das sah der unterspediteur natürlich anders und hat die paletten erstmal nicht rausgerückt. na toll.

der abfüll-betrieb kann nichts dafür und bekommt sein geld. der spediteur kann auch nichts dafür dass der unterspediteur sich nicht an die absprache hält, aber rein rechtlich müssen wir uns für den schaden an ihn halten ... er bekommt also eine rechnung, die aber natürlich nicht gemahnt wird und auch keine zinsen kostet wie immer. dann geht das gezerre über anwälte los; der unterspediteur bestreitet erst dass über frostgefahr gesprochen wurde, er habe das auch nicht von selbst erkennen können usw usf ... der spediteur ist inzwischen so nett und holt wenigstens die paletten wieder ab, damit das leergut zurück in den kreislauf kann und die schadenshöhe reduziert wird. dennoch ist für uns erstmal viel geld weg, aber was sollen wir machen? warten, immer wieder nachfragen, warten.

nur 15 monate später gab es dann einen gerichtstermin mit beiden spediteuren und dem händler. der unterspediteur räumt ein, dass die frostgefahr erkannt wurde. der spediteur soll aber trotzdem beweisen, dass der unterspediteur hier zu schutzmaßnahmen verpflichtet war. außerdem muss ggf. noch geklärt werden, ob wirklich die gesamte lieferung aus sicherheitsgründen gesperrt werden musste, weil das natürlich die schadenshöhe bedingt usw usf ... ob der richter wirklich möchte, dass der hersteller seines nächsten getränks in solchen fällen auf die kosten schaut?

ergebnis ist ein "vergleich". der schlampige unterspediteur soll die hälfte des schadens tragen (den wird seine versicherung für ihn übernehmen), der spediteur soll die andere hälfte selbst bezahlen - obwohl der eigentlich gar nichts dafür kann, sich extra gekümmert hat und so weiter. die gerichtskosten sollen auch geteilt werden, und beide seiten tragen jeweils ihre anwaltskosten. na toll, warum einfach, wenns auch umständlich und teuer geht ... wir sind als dritte und geschädigte aber so gesehen, mal abgesehen von dem aufwand, eigentlich fein raus - unser schaden würde ersetzt. aber so einfach ist es nicht, denn dem zuverlässigen spediteur wollen wir das eigentlich nicht aus der tasche ziehen. andererseits wollen wirs auch nicht drauflegen, hier muss also eine lösung ausgetüftelt werden ...

 

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 19. März 2010 um 18:26 Uhr